TOP Ö 4: Vorstellung der Ergebnisse der Masterarbeit von Frau Andreas (Entwicklung von kosteneffizienten und nachhaltigen Lösungen für Vernässungsprobleme in städtischen Gebieten am Beispiel der Stadt Haldensleben, Bereich Schulstraße)

 

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Vorstellung der Ergebnisse der Masterarbeit von Frau Andreas (Entwicklung von kosteneffizienten und nachhaltigen Lösungen für Vernässungsprobleme in städtischen Gebieten am Beispiel der Stadt Haldensleben, Bereich Schulstraße)    

 

Frau Andreas hatte eine Präsentation vorbereitet, anhand der sie über die Ergebnisse berichtet, die sie im

Rahmen ihrer Masterarbeit zu den Vernässungsproblemen im Stadtgebiet, Bereich Schulstraße ermittelt habe. Sie habe sich auf folgende Schwerpunkte bezogen: 

 

Herkunft der Vernässungen

Parameter und Funktion des Schwarzlosegrabens

Lage des Grundwasserspiegels

Infiltrationsparameter des Bodens

Klimaprognosenach REMO, WETTREG, STAR für Haldensleben

Nachträgliche Verfahren gegen Vernässungen

Vertiefung des Grabens

Verlegung der Rohrdränung nach Variante 1 – Sauger 1 DN 200

Verlegung der Rohrdränung nach Variante 2  - Sauger 2 DN 300

Entwässerungswirkung durch Rohrdränung

Nachträgliche Querschnittabdichtung gegen von außen drückendes Wasser

 

Maßnahmen speziell für das Untersuchungsgebiet

Nachträgliche Verfahren gegen Vernässungen

Hydraulische Maßnahme:                  •Rohrdränung

Bauliche Maßnahme:                          •Nachträgliche Gebäudeabdichtung gegen von außen drückendes Wasser („Schwarze Wanne“)

* Vertiefung der Sohle des Schwarzlosegrabens

 

Schlussfolgerungen:

 

• Nachträgliche Maßnahme für das Untersuchungsgebiet (Teilfläche 1) ist die Rohrdränung nach Variante 2

langfristige Effekte

Kosteneffizienteste Variante

gleichmäßiges Grundwasserabsenkung (Bodensenkungsgefahr minimiert)

 

• Informationelle Vorsorge:

Erweiterung des Grundwasserüberwachungsnetzes

veröffentlichen Grundwasserdatenbank

Erstellung der Risikokarten

 

• Planung: Die Gebiete mit potenziell hohen Grundwasserständen durch entsprechende Bauvorsorge im

   Planungsstadium zu sichern

Verzicht auf Unterkellerung

Verzicht auf Regenversickerung

Ausstattung des Kellergeschosses

Abdichtungen

 

(Die Präsentation liegt im Büro Stadtrat vor und kann bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden.)

 

Stadtrat Klaus Czernitzki interessiert, ob Frau Andreas auch untersucht habe, wie sich die Grundwasserabsenkung auf die Bausubstanz auswirken würde, wenn die Häuser, die bisher im feuchten Untergrund standen, dann  auf trockenem Untergrund stehen.

 

Bei solchen Verfahren wird eine gleichmäßige Entwässerung erwartet, d.h., es werden keine Bodensenkungen erwartet. Frau Andreas habe aber zur Sicherheit eine Berechnung vorgenommen und diese zeige, wenn Bodensenkungen entstehen, dann betragen diese max. 2 mm und das werde auf keinen Fall eine Wirkung auf die Bausubstanz haben. In unmittelbarer Nähe zum Untersuchungsgebiet befinden sich mehrere Messstationen und man habe verfolgt, wie sich die Grundwasserstände von 1993 bis heute entwickelt haben. Sie kann daraus ableiten, dass die Grundwasserstände nicht immer stabil bleiben, der Grundwasserstand wird immer schwankend sein.

 

Stadtrat Matthias Schmidt wisse, dass es in der Vergangenheit durch Grundwasserabsenkungen zu Rissbil-

dungen an den Häusern im Stadtgebiet gekommen ist. Man habe im Baugrund in der Stadt Haldensleben sehr

unterschiedliche Verhältnisse. Gibt es zum Baugrund Untersuchungen in diesem Bereich?

 

Dies verneint Bauamtsleiter Krupp-Aachen. Das konnte in dem Zusammenhang nicht geleistet werden. Es gab in den 90iger Jahren in Haldensleben Grundwasserabsenkungen in erheblichem Umfang. In der Konsequenz sind dann tatsächlich erhebliche Bauschäden an der historischer Bausubstanz entstanden, insbesondere in den Kellerbereichen, wo es keine ordentliche Sohlbefestigung gab, da sind die Böden abgegangen, teilweise habe man auch Senkungen von Gebäuden gehabt. Aber das, was Frau Andreas erläutert habe, scheine Bauamtsleiter Krupp-Aachen erst einmal schlüssig. Wenn man den Pegel auf eine tolerable Höhe bringt, dann dürfte die Auswirkung nicht anders sein, als wenn sich das Wasser natürlich bewege.

 

Ausschussvorsitzender Günter Dannenberg hinterfragt, inwiefern sich das auswirken würde, wenn die Grundstückseigentümer ihr Niederschlagswasser künftig einleiten und nicht mehr versickern würden.

 

Das ist schwer einzuschätzen. Man müsste ganz genau wissen, mit welchen Mengen man es zu tun habe, antwortet Frau Andreas.

 

Die Mengen würden sich feststellen lassen, fügt Bauamtsleiter Krupp-Aachen hinzu. Entscheidender sei aber, dass man zum ersten Mal feststellen musste, dass die Ereignisse, die dort in dem Bereich wahrgenommen wurden, offensichtlich nichts mit den Regenereignissen zu tun haben, sondern wenn das Klima einen Einfluss hat, dann nur indirekt. Man habe es tatsächlich mit einem Grundwasserproblem zu tun und dieses Grundwasserproblem bekomme man nicht in den Griff. Es zeichnet sich auch ab, dass der Schwarzlosegraben bzw. dessen Tieferlegung die Situation nicht verbessern werde. Ein weiterer Lösungsansatz wäre, dass man über ein Drainverfahren das lokal aufgebaut wird, das Grundwasser partiell regulieren könnte, indem man das Drainwasser dem Schwarzlosegraben zuführt. Und alternativ dazu müsse man bei Neubauvorhaben grundsätzlich immer den hohen Grundwasserstand mit berücksichtigen, d.h., man muss sein Gebäude vor drückendem Grundwasser entsprechend schützen. Welches Verfahren man wählt, ob weiße Wanne oder schwarze Wanne oder ob man bei Bestandsgebäuden etwas Nachträgliches vornimmt, es gibt viele Verfahren, die man anwenden könnte. Im Grunde genommen könnte jeder, der dort ein Haus hat und mit Vernässungsproblemen zu tun hat, Vorkehrungen treffen. Bei einer Drainage sicherlich in Zusammenarbeit mit dem Nachbarn. Was die Kosten betreffe, wäre es erfreulich, wenn sich der geschlossene Rohrvertrieb unter dem Haus tatsächlich zu einem Preis von ca. 50.000 €, wie bei Variante 2 dargestellt, realisieren lasse.

 

Der Preis sei eine grobe Schätzung und der betreffe auch nur den baulichen Teil, räumt Frau Andreas ein.

 

Stadtrat Hartmut Neumann fragt, wie lange es dauern würde, bis die Flächen, die Frau Andreas vorgestellt hat, drainiert worden sind.

 

Eine Berechnung habe Frau Andreas nicht vorgenommen, aber sie denke, dass es nicht länger als 1 Woche dauern werde. 

 

Auch Bauamtsleiter Krupp-Aachen halte 1 Woche nicht für abwegig. Wenn die Drainage gelegt ist, kann das Grundwasser nicht mehr höher steigen, sondern es wird direkt abgeführt, so dass es nicht mehr zu neuen Vernässungen kommt. Dass ein nasser Keller nicht innerhalb von einer Woche trocknet, das ist klar, das dauert längere Zeit, aber wenn kein neues Grundwasser nachkommt, wird der Bereich irgendwann trocken.

 

Herr Prof. Dr. Reinstorf kommt noch einmal auf die Frage zurück, ob es reichen würde, die Niederschläge ab-zuführen. Es reiche nicht aus, nur die Niederschläge in die Kanalisation abzuschlagen, um die hohen Grundwasserstände zu senken auf ein Niveau, dass praktisch die Keller trocken werden. Es würde eine Linderung bringen, aber keine Lösung des Problems.

 

Schlussfolgernd, so Ausschussvorsitzender Günter Dannenberg, bleibe im Endeffekt als Lösung nur die Variante 2 – Sauger 2  DN 300 - oder mit 4 einzelnen Saugern.

 

Herr Prof. Dr. Reinstorf erwidert, dass das mit den 4 Saugern die einfachere Variante ist. Es müssten zwar in

den Gärten Ausgrabungen vorgenommen werden, weil die Dränung im offenen Bauverfahren realisiert werden soll, aber man würde damit die Häuser schützen. Und bei der Abdichtung gibt es auch noch ein Problem, auf das er noch hinweisen möchte. Wenn man eine Innendichtung vornimmt, steht das Mauerwerk trotzdem im Grundwasser und wenn man betonaggressives Wasser hat, dann kann es zum Zersetzen des Mörtels und des Mauerwerkes kommen und das will man eigentlich auch nicht. D.h., man sollte im Vorfeld untersuchen, wie die chemische Beschaffenheit des Grundwassers ist.

Bauamtsleiter Krupp-Aachen teilt abschließend mit, dass das die 2. Masterarbeit war, die sich mit der Problematik des steigenden Grundwassers in der Stadt Haldensleben befasst habe. Die Anregungen aus der ersten Masterarbeit habe die Verwaltung aufgenommen und habe einen Förderantrag für das Monitoring gestellt. Die Zusage zur Förderung für das Monitoring gebe es bereits. Heute seien wieder neue Information hinzugekommen und wenn sich die Informationen immer weiter verdichten, dann werde man auch zu konkreten Maßnahmen kommen.